Ein Blick aus dem Fenster. Ja! Die Sonne scheint. Es lohnt sich, zeitig aufzustehen. Ziel: 15 Kilometer Wanderung zum Ruined Castle. Angeblich eines der schönsten Wanderziele um Katoomba.
Vor dem Abmarsch nicht vergessen: Der Eintrag ins Bushwalk Register. Das ist eine Liste, in die sich jeder eintragen kann, wenn er wandern geht. Einfach Name, Route und Ziel, Telefonnummer hinterlassen. So weiß jemand für den Fall der Fälle, wo nach mir zu suchen ist. Proviant einpacken. Nicht vergessen: Den kleinen Salzstreuer. Nach den vergangenen Regentagen, haben andere Wanderer von Blutsaugern berichtet. Ich selbst hatte noch keine gesehen. Zunächst hielt ich das für einen Scherz, denn gerade die Australier nehmen einen gerne auf den Arm. Das Salz kommt trotzdem mit. Man weiß ja nie. Gemeinsam mit zwei anderen Backpackern ziehe ich los.

Der Blick auf das Jamison Valley und den Mount Solitary in den Blue Montains. Viele Wanderwege gibt es zu erkunden.
Die Blue Mountains sind ein mehr als 250000 Hektar großer Nationalpark, der zur Bergkette der Great Dividing Range gehört. Die Landschaft ist durchzogen von Canyons, Wanderwege schlängeln sich oft an klippenähnlichen Felswänden entlang. Katoomba liegt 1030 Meter über dem Meeresspiegel. Ganz klar: Wer hier wandern geht, der macht seine Höhenmeter. Wie viele es genau sind, ist schwer zu sagen. Das ist so eine australische Eigenheit: Wanderwege werden eher selten in Kilometern angegeben, viel mehr in Minuten und Stunden und dazu eine Beschreibung, ob der Weg leicht oder schwer zu gehen ist, eher für Anfänger, Fortgeschrittene oder erfahrene Wanderer. Die Route zum Ruined Castle ist mit sechs Stunden veranschlagt und für fitte Wandersleute.

Durch den Regenwald führt der Weg zum Ruined Castle.
Erste große Etappe: Die Furber Steps. Ein kleiner Pfad, der sich Richtung Tal schlängelt. Über knapp 1000 Treppenstufen geht es immer nach unten. Vorbei an den Wasserfällen Witches Leap und Katoomba Falls, Aussicht auf die Three Sisters. Runter, runter, runter. Stufe um Stufe. Nach gut 45 Minuten ist es geschafft und wir sind auf dem Wanderpfad, der durch den Regenwald führt.
Gemütlich laufen wir dahin, unter den riesigen Farnbäumen entlang. Dann wechselt die Landschaft, es wird steinig, eher trocken und dann wieder Regenwald. Ich entdecke einen Lyrebird, ein einheimischer Vogel, der mit seinen langen Schwanzfedern einem Pfau gleicht. Ein Black Yellow Tail Cockatoo fliegt vorüber, ein schwarzer Kakadu mit gelben Schwanzfedern. Typisch für die Blue Mountains.

Über Stock und über Stein: Die Wanderwege in den Blue Mountains sind nicht immer einfach.
Gut zwei Stunden sind wir unterwegs. Dann der Abzweig zum Ruined Castle. Der Weg verheißt Aufstieg. An der Kreuzung legen wir kurz einen Stopp ein, wollen uns noch einmal für den Anstieg stärken. Doch dann entdecke ich an meiner Hose einen kleinen Wurm. Da sind sie also die Blutsauger. Etwa wie ein Regenwurm, nur nicht so lang und schwarz mit ockerfarbenen Punkten. An meiner Hose hat er sich auf der Suche nach Nahrung schon festgesaugt. Mit Daumen und Zeigefinger schnippe ich ihn davon. Wir entdecken noch mehr dieser blutsaugenden Zeitgenossen und beschließen dann doch, den Aufstieg sofort anzugehen.
Stetig bergauf und die Anstrengung lohnt sich. Das Ruined Castle, übrigens keineswegs eine alte Burgruine, sondern vielmehr eine Steinformation, die an eine Ruine erinnert, bietet unglaubliche Aussicht auf das Jamison Valley, Megalong Valley, Mount Solitary, Katoomba Falls, Wentworth Falls, 360 Grad Rundumblick. Diese Aussicht motiviert auch für den Rückweg. Denn das heißt, all die Treppenstufen und Höhenmeter, die es vorher nach unten ging, muss ich jetzt wieder rauf. Gemütlichen Schrittes ist es machbar, bloß nichts übereilen. Zurück im Hostel streiche ich meinen Namen aus dem Bushwalking Register. Keiner muss mich suchen kommen.

Endlich da!