Highway Matt, Lake Elli, Ocean Harley sind ungewöhnliche Namen für ein Tier. Aber sie sind auch an einem nicht gerade gewöhnlichen Ort. In Port Macquarie, einer Stadt an der südlichen Ostküste Australiens, gibt es das Koala-Krankenhaus. Die Namen stehen auf der Patientenliste. Allesamt Koalas, die irgendwo verwundet oder desorientiert aufgefunden wurden und nun von den freiwilligen Helfern wieder gesund gepflegt werden.
Benannt werden die knuffigen Beuteltiere im Koala-Krankenhaus nach dem Fundort und den zweiten Vornamen bekommen sie von ihrem Retter – sprich, der Person, die die örtliche Koala-Ambulanz angerufen hat. Highway Matt wurde an der Autobahn aufgelesen, Elli hatte sich an einem See verirrt und Harley sogar bis zum Meer.
Die Namen zeigen gleichzeitig auch eine der häufigsten Ursachen, warum Koalas überhaupt in einem Krankenhaus von Menschen betreut werden müssen. Neue Straßen, neue Häuser und Wohnsiedlungen zerstören ihren Lebensraum. Weil Koalas ein ganzes Leben in einem begrenzten Revier verbringen, verstören sie diese Veränderungen, sie finden kein Futter mehr und sind desorientiert. Oder bei dem Versuch sich in der neuen Umgebung zurecht zu finden, werden sie auf den Straßen angefahren oder im Garten vom Haushund angefallen, der eigentlich auch nur versucht, sein Revier zu verteidigen.
Das Koala-Krankenhaus in Port Macquarie ist nach eigenen Angaben die einzige Tierstation auf der Welt, die sich ausschließlich der Rettung der Koalas verschrieben hat. Entstanden ist es in den 70er aus der Initiative zweier Privatleute, die die Koalas in ihrem Garten versorgten. Heute sind mehr als 100 Freiwillige im tierischen Krankenhaus engagiert. Rund um die Bungalows, in denen Untersuchungsräume und sogar eine Intensivstation untergebracht sind, stehen die hohen Eukalyptusbäume. Darunter sind wie in einem Zoo kleine Gehege abgeteilt. Jedes mit Ästen zum Klettern und frischen Eukalyptuszweigen. Denn nicht alle Koalas können schon wieder hoch in die Bäume klettern.
Eingerollt sitzt ein Koala auf seinem Bäumchen und döst vor sich hin. Das Wort Koala stammt aus der Sprache der Aborigines und bedeutet so viel wie „Trinkt nicht“. Koalas nehmen ihre Flüssigkeit über die Eukalyptusblätter auf. Die bestehen nämlich zu 80 Prozent aus Wasser. Weil das allerdings keine Energie liefert, verschlafen die kleinen Beuteltiere 18 Stunden des Tages.
Als sich die freiwillige Helferin mit dem Futter nähert, wird der Gefährte agil. Er klettert auf seinem Ast ganz nach vorn und versucht das Futternäpfchen zu greifen. Die Pflegerin wehrt den Versuch geschickt ab und füttert den Koala mit einer Pipette.
Sojamilch steht auf dem Speiseplan, das gibt zusätzlich Kraft und daruntergemischt ist die Medizin. Normale Milch können Koalas übrigens nicht trinken, weil sie laktose-intolerant sind. Jedes Jahr werden im Koala-Krankenhaus in Port Macquarie etwa 200 bis 300 Koalas von den mehr als 100 Freiwilligen betreut. Durchschnittlich sind 20 Koalas in Behandlung. Nur nach den Buschbränden 2002 waren es zeitweise an die 90 Tiere, die wegen Verbrennungen vom Tierarzt behandelt werden mussten.
Ist ein Koala wieder gesund, kommt er in die Entwöhnungsphase. Er wird nicht mehr gefüttert und muss sich seine Eukalyptusblätter selbst beschaffen, die gibt es genug in den Bäumen rings um die Gehege. Er wird zwar weiterhin beobachtet, doch die Pfleger nähern sich dem Tier nicht mehr. Kriegt der Koala das hin und fängt auch wieder an, bis in die Baumwipfel zu klettern, ist es soweit. Er wird wieder ausgewildert und ist dann hoffentlich nicht mehr so bald ein Patient im Koala-Krankenhaus.





