Und wieder durfte eine unserer wertgeschätzen Kolleginnen nach Down Under aufbrechen. Dieses Mal war Sophie Schwender (Auszubildende im Team Marketing and Sales) an der Reihe, den roten Kontinent zu besuchen. Auf dem Programm stand ein 9-tägiger Famil-Trip, organisiert von Tourism Queensland, und ein anschließender Besuch bei Partnern und Teilnehmern.
Hallo Sophie. Vielen Dank, dass Du Dir etwas Zeit für unsere Fragen genommen hast. Bevor wir in das Interview einsteigen, erzählt uns doch bitte etwas über den Grund Deiner Reise nach Down Under.
Der Grund meiner Reise war ein sog. Famil Trip. Das sind Inforeisen von Tourismusverbänden für Touristiker, um ein bestimmtes Produkt bzw. eine bestimmte Region oder ein bestimmtes Land zu promoten. „Meine“ Reise wurde von Tourism Queensland organisiert und sieben weitere Programmverantwortliche von anderen hochrangigen Reiseveranstaltern in Deutschland, die Organisatorin von TQ und ich gingen neun Tage lang auf Reisen durch den Süden von Queensland. Genauer gesagt handelte es sich um den sog. „Great Sunshine Way“, immer entlang der Sunshine Coast nördlich von Brisbane. Danach habe ich noch einige unserer Stepin-eigenen Partnerorganisationen mit Sitz in Brisbane besucht.
War dies Dein erster Besuch auf dem fünften Kontinent?
Nein, war es nicht. Ich hatte das Glück, von Oktober 2005 bis September 2006 ein Working Holiday Visum für Australien zu bekommen. Damals habe ich größtenteils in Victoria, sprich Melbourne, gelebt. Gottseidank kannte ich das Land und die netten Aussies also schon ein wenig, sonst wäre der diesjährige Aufenthalt viel zu überwältigend für mich gewesen.
Dieser Besuch war sozusagen eine Wiederholungstat und ich hoffe auf noch viele mehr, gerade weil noch so viele Orte auf der Australischen Landkarte auf meiner Besuchsliste fehlen.
Du bist inkl. Hin- und Rückflug ungefähr 14 Tage unterwegs gewesen, was – bedenkt man die Größe des Landes – nicht unbedingt viel Zeit ist, um mal eben dort hin zu fliegen.
Klingt auf jeden Fall nach einem ganz schön straffen Programm. Welche Punkte und Veranstaltungen standen denn auf Deiner Agenda?
Also, ich bin an einem Freitag von Frankfurt über Dubai nach Brisbane geflogen und dort am Sonntag angekommen. In den folgenden neun Tagen haben wir alles gesehen, besucht und ausprobiert, was für unsere zukünftigen Kunden in der Gegend um die Sunshine Coast interessant sein könnte. U.a. standen ein Besuch des Australia Zoo, eine Übernachtung auf Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt, und auch 2 Tage auf Lady Elliot Island, dem südlichsten Zipfel des Great Barrier Reefs, auf dem Programm. Dies alles natürlich, wie es auf einem Famil Trip üblich ist, immer in Verbindung mit unzähligen Besichtigungsterminen in Hotels und Resorts an der Küste und im Hinterland. Das tolle an diesen Famils ist, dass alles im Vorfeld organisiert wird, von den Transfers von Ort zu Ort über Ausflüge (z.B. Bootstouren) und Erlebnisse wie eine Fahrt auf dem Brisbane Wheel bis hin zur Verpflegung von früh bis spät – es war für alles gesorgt. Die vielen Mittag- und Abendessen wurden dabei immer zum Networking genutzt, d.h. neben uns neun Reisenden waren immer verschiedene potentielle Partner mit eingeladen, mit denen wir uns dann bezüglich neuen Angeboten für unsere Kunden austauschen konnten. Alles in allem war es tatsächlich ein sehr straffes Programm, so dass wir weder Gelegenheit hatten, uns wirklich an den enormen Zeitunterschied zu gewöhnen, noch für uns persönlich interessante Ziele zu besichtigen.
Die Truppe war allerdings super, ich habe zu den meisten immer noch Kontakt, und letztendlich war das volle Tagesprogramm genau richtig, es gibt ja so viel zu entdecken in Queensland. Am Ende kamen uns die neun Tage auch viel länger vor, weil wir in dieser relativ kurzen Zeit ja eigentlich ein Programm von ca. drei Wochen „absolviert“ hatten.
Wie schon erwähnt, durfte ich nach dem offiziellen Teil ja noch ein paar Tage länger in Brisbane verweilen, diese Zeit war dann vergleichsweise ruhig und eher erholsam.
Würdest Du rückblickend sagen, dass sich der Trip gelohnt hat bzw. was hast Du für Dich persönlich an Eindrücken und Erfahrungen mitgenommen?
Oh Gott- JA! Die Reise hat sich total gelohnt, in jeder Hinsicht, auf die man eine Reise als lohnenswert bezeichnen kann. Ich habe so viel gesehen, erlebt, gegessen und getrunken, unzählige nette Menschen kennen gelernt, tausende Fotos und Souvenirs mitgebracht – es war einfach toll!
Jede Reise sollte so sein- vom guten Wetter (der wärmste Herbst seit Jahren in Queensland) über die tolle Gruppe, mit der ich mich so gut verstanden habe, bis hin zum einmaligen Rückflug in der Business Class von Emirates – es war ein rundum gelungener Aufenthalt!
Mich persönlich hat vor allem das Verhältnis der Aussies zur Arbeit an sich beeindruckt. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass sie die Balance zwischen Arbeits- und Freizeit besonders gut halten können, dass sie ihre teilweise sehr spärliche freie Zeit gut ausnutzen und sich so wieder für ihren stressigen Arbeitsalltag regenerieren. Die Aussies treiben im allgemeinen sehr viel Sport, sind eigentlich ständig draußen an der frischen Luft, treffen sich gern mit Freunden und Bekannten und der ganzen Familie zum „Barbie“ (australisch für Grillen) und genießen so ihren Feierabend und die Wochenenden in vollen Zügen. Ich hatte den Eindruck, dass die Haltung „ich lebe, um zu arbeiten“, die ja leider in Deutschland vorherrschend zu sein scheint, in Australien genau umgekehrt angewendet wird: „ich arbeite, um zu leben“. Das nehme ich auf jeden Fall für mich mit zurück nach Deutschland.
Ein paar Worte zu Australien selbst. Gerade vor dem Hintergrund Deines Besuchs, wem würdest Du das Land besonders empfehlen?
Ausnahmslos jedem! Vom Austauschschüler bis hin zum Rentnerehepaar, Australien hat für jede Altersstufe und jeden Urlaubertyp etwas zu bieten. Man kann in Gastfamilien sowohl in der Stadt als auch auf Farmen im endlosen Outback leben, einen Luxusurlaub, zum Beispiel die Flitterwochen, da verbringen, mit dem Wohnmobil mehrere Monate von Küste zu Küste ziehen oder sich als einfacher Work & Traveller durchs Land schlagen. Die Angebotspalette ist schier endlos, gerade für Australien trifft es zu, dass man wahrscheinlich auch nach dem hundertsten Aufenthalt auf diesem faszinierenden Kontinent noch nicht alles gesehen haben wird.
In Bezug auf unsere Teilnehmer, nämlich junge Leute zwischen 14 und 30 Jahren, gibt es meinerseits keine Einschränkungen. Es sei denn, man steht nicht auf Sonne, warme Temperaturen, lange weiße Sandstrände, freundliche Menschen, neue kulinarische Kostproben, grünen Dschungel, rote, unberührte Erde, faszinierende Lebewesen wie Koalas, Echidnas und Kängurus, Surfen, Tauchen, Schnorcheln, Shoppen & Sightseeing. Dann hat man in Australien schlechte Karten
Fünf Dinge oder Orte, die man in Australien Deiner Meinung unbedingt gemacht bzw. gesehen haben sollte?
Oh Mann, nur fünf… hmm, ok.
- Ein Besuch im Outback, genauer gesagt, am Ayers Rock. Ein Spaziergang drum herum und eine Übernachtung unter freiem Himmel da draußen sind ein Muss. So viele Sterne hast du noch nie gesehen! Und ein perfektes Souvenir von dort gibt es auch: ein Original-Gemälde von einem Aboriginal Artist.
- Den BridgeClimb auf der Sydney Harbour Bridge. Einmalig, die Aussicht auf den Hafen und den Central Business District von Sydney von da oben! Egal, ob bei Tag, bei Nacht oder beides (Sonnenuntergang) – immer ein Erlebnis!
- Selbstredend: Ein Tauch- oder Schnorchelgang am Great Barrier Reef

Nun, nachdem ich selbst in den Genuss gekommen bin, kann ich zu diesem Zweck nur einen Aufenthalt auf Lady Elliot Island empfehlen. Dort ist das Riff noch vergleichsweise unberührt und man kann ungestört unzählige Arten von Fischen, Seesternen und –gurken, Schildkröten, Haie und Manta-Rochen beobachten. Einfach großartig! - Wenn man schon mal da ist: etwas weiter nördlich vor der Küste von Queensland befinden sich die Whitsunday Islands mit dem weltberühmten Whitehaven Beach. Der weißeste Sand, den ich je gesehen habe, und glasklares türkisblaues Wasser laden zum Schwimmen und Verweilen ein. Selbst ein kurzer Abstecher als Teil eines kleinen Cruises sorgt für „himmlische“ Erinnerungen.
- Zu guter Letzt: Ein Besuch im Hinterland, egal wo in Australien. Überall gibt es aufgrund des idealen Klimas ausgezeichnete Weingegenden. Man kann also ganz wunderbar einen Tag auf einem Weingut verbringen, dabei die faszinierende Natur Australiens bewundern und neben der köstlichen Weinprobe auch meistens das sog. Bush Tucker versuchen. Dabei handelt es sich um in Australien heimische Pflanzen und Tiere (!), die eher für die traditionelle Küche der Aboriginals typisch sind. Wir Europäer kämen im Allgemeinen nicht einmal auf die Idee, einiges davon überhaupt als Nahrung anzusehen – wer sich trotzdem traut, kann sich jedoch über einige spannende neue Geschmackserlebnisse freuen.
Darüber hinaus gibt es natürlich noch hunderte weitere Highlights. Meine Empfehlung: Am besten alles ausprobieren!!!
Was ist Deiner Meinung nach typisch australisch?
- Die Outdoor-Kultur: Aussies verbringen jede freie Minute draußen, beim Sport oder zum Essen. Das drängt sich bei dem meistens guten Wetter aber auch geradezu auf!
- Das Strandleben: Schon Kleinkinder können schwimmen und surfen. Die Australischen Rettungsschwimmer sind quasi Nationalhelden.
- Frühmorgens Sonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 30+ auftragen, so selbstverständlich wie Zähneputzen.
- Haiangriffe, Attacken durch Quallen und Spinnen- oder Schlangenbisse mit einem Achselzucken à la „wieder so ein ignoranter Tourist“ abtun.
- Die Sprache: Aussie-Slang-Redewendungen wie „Good on ya, mate!“, „No worries“ und „G’day“ klingen wie Musik in meinen Ohren. Mit der Zeit gewöhnt man sich gut an den Australischen Akzent und man lernt die „richtigen“ Wörter für alles Wichtige: „bathers“ für Badebekleidung, „sunnies“ für Sonnenbrille, „joey“ für Baby-Känguru und „stubby“ für Bierflasche.
Hattest Du während Deines Aufenthaltes Gelegenheit, Stepin-Teilnehmer vor Ort zu treffen?
Ja, hatte ich. Nach der Inforeise habe ich mich in Brisbane mit einer Demi-pair-Teilnehmerin aus Hamburg und einer Praktikumsteilnehmerin aus der Nähe von Bremen getroffen. Beide waren von Stepin und Brisbane schwer begeistert und schon richtig in ihrem australischen Alltag angekommen. Es war toll, die Teilnehmer mal von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen und mich über ihre und meine Erfahrungen vor Ort auszutauschen. Deren Feedback ist uns sehr wichtig und so konnte ich positive und auch negative Anmerkungen ohne Umwege weiterleiten.
Mir hat auch sehr gefallen, dass ich in Brisbane die Gelegenheit hatte, zwei unserer Partnerorganisationen mit eigenen Augen zu sehen und die Mitarbeiter einmal persönlich kennen zu lernen. Die Lexis English School und die Praktikumsagentur „Australian Internships“ haben beide einen sehr positiven Eindruck bei mir hinterlassen. Die Mitarbeiter haben sich für mich viel Zeit genommen und sich super um mich gekümmert. Ich kann ruhigen Gewissens sagen, dass unsere Teilnehmer bei unseren Partnern in guten Händen sind!
Bevor wir zum Schluss kommen, noch eine Frage in eigener Sache: Unser Blog Weltneugier hat sich vor einigen Monaten im Rahmen einer Themenwoche mit den australischen Ureinwohnern beschäftigt. Nach wie vor scheint das Verhältnis des australischen Staates zu den Aboriginals eine komplizierte Angelegenheit. Uns würde nun interessieren, inwieweit dieses Thema Teil der öffentlichen Wahrnehmung im australischen Alltag ist? Kannst Du uns darüber etwas berichten?
Gute Frage, aber unglücklicher Weise kann ich nur recht wenig darüber sagen. In meiner persönlichen Wahrnehmung, sowohl damals vor 6 Jahren als auch auf der diesjährigen Reise, sind die Aboriginals in den Großstädten und in den Köpfen der Städter gar nicht so sehr präsent. Ich denke aber, die Australier sind auf dem besten Weg, die Vergangenheit aufzuarbeiten und die Ureinwohner und deren Bedürfnisse und Rechte bestmöglich zu respektieren. Australien ist, wie Neuseeland oder die USA auch, vor allem ein Einwandererland; viele unterschiedliche Kulturen leben größtenteils friedlich neben- bzw. miteinander. Weiterhin ist die Integration der Aboriginals ein großes, komplexes Thema, in dass ich als gewöhnlicher Tourist nicht wirklich Einblick habe und mich dazu eigentlich gar nicht äußern kann.
Und in unserer guten Tradition der berühmt-berüchtigten „letzten Worte“, hier ist Deine Chance (…)
Tjoa, da gibt es eigentlich nur eines zu sagen: ich liebe Australien, ich kann’s kaum erwarten, das nächste Mal dorthin zu reisen und freue mich über jeden Australier und alles Australische, was mir hier in Deutschland bzw. in Europa begegnet. Biermarken wie „VB“ und „XXXX“ (gesprochen „four ex“), TimTams und Macadamias sind meine bevorzugten Lebensmittel! Zusammengefasst: Aussie, Aussie, Aussie – oi, oi, oi!!!







Pingback: Work and Travel Australien: Sophie Schwender auf Famil Trip am Great Sunshine Way in Queensland | TravelSquare